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Michael Schnell

APHORISMUS 146… 15.01.2026,

Von der Hoffnung – in memoriam Jochen Kirchhoff

In memoriam Jochen Kirchhoff, meinem verehrten Lehrer, dem naturphilosophischen Romantizierer, der am zweiten Weihnachtstag 2025 verstarb, und der seine Hoffnung auf ein besseres, neu-romantisch, nicht mainstreamig-naturwissenschaftlich geprägtes Deutschland nie aufgegeben hat!

Sowohl der christliche wie der materialistische Westen -, beide benützen sie die Hoffnung als Prinzip, weil beide mit dem gegenwärtigen Hier und Jetzt noch immer unzufrieden sind und deshalb vom Paradies träumen!

Die gelâzenen deutschen Mystiker ließen ab vom Hoffnung-getriebenen ‘immer strebenden Bemühen‘ des Christentums und des Sozialismus. – So, als wären sie transkontinental-quantenpysikalisch vom daoistischen WuWei des chinesischen Laotse beeinflusst worden.

Die Frage ist nun aber dennoch, ob es mittig zwischen Calvin-Marx und Laotse-Menzius-Mao ein eigentliches, hoffnungsvolles Streben gibt, das nicht die ‘Ellenbogen-Streber‘ anstreben, sondern ein Streben, das dem göttlichen Funken in jedem von uns Menschen Sauerstoff zufächelt?

Meister Eckharts scilla divina animae ist ja die paradiesische Verheißung, die uns der Engel Gabriel bei der Vertreibung aus dem Paradies ins Herz gepflanzt hat: Wenn ihr nicht nur von der gottfreien, wissenden Logik, sondern auch von dem liebefähig machenden, heilig-heilenden Leben esset*, dann könnt ihr wiederkommen!

Geht es also bei der Frage nach der Hoffnung nicht um die Hoffnung, die Schöpfung noch immer besser ausbeuten zu können, sondern um die Hoffnung, mit der Schöpfung so liebevoll umzugehen, dass sie wird, was sie vorm Werden war: die ewige Wieder(herbei)holung des Gleichen: des über-menschlichen Gottes?

                                                                   * ‘esset‘ im Sinne von esse = sein